Kurzer Zwischenbericht

Nachdem ich nun bald drei Monate meines Dienstes hinter mir liegen und der letzte Bericht schon ein paar Tage zurückliegt werde ich an dieser Stelle einen kurzen Zwischenbericht schreiben.
Die Arbeit läuft soweit ganz gut. Vor Allem die im Center ist sehr spannend. Es ist bisweilen zwar häufig sehr chaotisch und die Kinder sind oftmals schwer in den Griff zu kriegen, aber es gibt doch den ein oder anderen erfolgreichen Moment, in denen ich die Motivation der Kinder sehen kann. Das Lerntempo ist ein ganz anderes als ich es gewöhnt bin und es sind auch zahlreiche Wiederholungen von Nöten. Alles in Allem habe ich aber das Gefühl, dass die Kinder doch wenigstens ein bisschen weiter kommen.


Die meisten von ihnen hätten ohne die „alternative education center“ von Prayas nie die Chance gehabt eine Schule zu besuchen. Andere waren schon an staatlichen Schulen gewesen, konnten dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht weiter tun. Mit einer Klassenstärke von ca. 50 – 80 Kindern sind die staatlichen Schulen auch maßlos überbesetzt. Prayas versucht mit den über hundert Centern in Delhi eine Alternative Schulbildung zu schaffen, mit geringerer Klassenstärke (maximal 40, meistens aber so 20-35) und einer viel individuelleren, auf den einzelnen Schüler ausgerichteten und seinen Möglichkeiten angepassten Unterrichtsformen. Ziel davon ist es aber trotzdem die Kinder auf ein vergleichbares Niveau zu bringen („mainstreaming“) und ihnen außerdem Fähigkeiten für ihr späteres Leben zu vermitteln.
Bisher habe ich im guesthouse des Hauptgebäudes gewohnt, in dem auch ein Heim für Mädchen untergebracht ist. Insgesammt gibt es in Delhi vier solche „shelterhomes“. Zwei sind speziell für Mädchen, eines nur für Jungs und das vierte für Kinder und Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. In dem Heim hier leben 57 Mädchen etwa im Alter von 6-17.

In den nächsten Tagen werde ich mit meinem Mitfreiwilligen Timo in eine eigene Wohnung ziehen. Im Moment herrscht noch großer Umzugsstress. Möbel und sonstige Gebrauchsgegenstände müssen gekauft werden, Verträge ausgehandelt und unterschrieben werden und vorher musste eben auch eine Wohnung gefunden werden. Dank eines sehr netten Kollegen, der wirklich viel für Timo und mich getan hat ist die passende Wohnung nun gefunden. Sehr geräumig und in recht angenehmer Lage.

Was ist noch passiert seit dem letzten Bericht? Da wäre zum einen das Diwali Fest, „festival of lights“, das im Hinduistischen Glauben etwa den Stellenwert wie Weihnachten für die Christen einnimmt. * Ich war zusammen mit anderen Freiwilligen in einer jungen Familie eingeladen, wo es leckeres Essen gab. Man hätte meinen können es herrsche Krieg. Draußen wurde die Tage um Diwali „geböllert ohne Ende“ Und zwar nicht die harmlosen Kracher, wie es sie bei uns gibt… Mir ist zwischenzeitlich öfters mal nach einer Detonaion(!) einer solchen Bombe das Herz in die Hose gerutscht… „Gefeiert“ wurde auch morgens im Center, mit religiöser Zeremonie und auch hier im shelterhome mit Band, DJ und sehr hohen Gästen. Ein Minister kam und lud im Anschluss an die musikalische Untermalung zum Essen ein.

Dann gab es noch einen Ausflug mit etwa 120 Kindern von Prayas zu einen großen Malwettbewerb, bei der allerdings leider keines der Kinder einen Preis gewinnen konnte. Schön war es für sie trotzdem.
Einen Malwettbewerb hat es auch hier im shelterhome gegeben, organisiert von einem großen Sponsor, außerdem noch einige andere kleinere Feste wie etwa eine Feier zum Jahrestag der Gründung oder einfach nur um das gute Verhältnis zu einem Sponsor zu zeigen…

Des weiteren habe ich über ein langes Wochenende einen Trip nach Varanasi, die heilige Stadt am Ganges unternommen. Ich reiste im Zug mit anderen Freiwilligen. Die Stadt ist wirklich sehr spanend und man wird für die lange Zugfahrt von über 13 Stunden mit den vielen Sadhus, Pilgern, Ghats (auch die burningghats, in denen die Toten vor vielen Augen verbrannt werden) und einer wirklich sehr interessanten Stadt entlohnt. Teil dieses Ausfluges war auch ein Abstecher nach Sarnath, ein wichtiger Pilgerort für Buddhisten.

Auch in Delhi habe ich jetzt schon einiges gesehen. Etwa das Gelände um „Qutab Minar“, Old Delhi mit Jama Masjid, Red Fort, Gewürzmarkt und so weiter und natürlich das tägliche Chaos auf den Straßen dieser Megapolis.

Seit etwa drei Wochen ist außerdem noch ein neuer deutscher Freiwilliger zu Prayas gekommen, der zu Zeit mit Timo zusammen ein Center besucht. So bin ich nun auch seit zwei Wochen als einziger Freiwilliger in meinem Center.

Das wärs dann für den Moment. Auf meiner Flickr Seite stehen nun schon seit etwa einer Woche zahlreiche neue Bilder von Varanasi, Old Delhi, Qutab Minar und einigen anderen Dingen. Viel Spaß beim anschauen.

Old Delhi
Varanasi
Diwali
Qutab Minar
verschiedenes

1 Kommentar

  1. Gabi sagte,

    24. November 2009 um 19:02

    Hallo Daniel,

    schön von dir zu hören, soweit man das beurteilen kann scheint es dir gut zu gehen ( endlich auch wieder eine eigene Wohnung!) obwohl man schon auch ein bißchen Ernüchterung heraushört z. Bsp. bei den erhofften Lernerfolgen der Schüler und den tatsächlich erreichbaren.

    Lass dich nicht demotivieren.

    Nimm soviel an Erfahrung mit wie irgend möglich ist und gib soviel von Dir weiter wie Du in der Lage bist ohne Dich auszubrennen, dann ist es für alle Seiten ein Gewinn.

    Hier in der Familie geb ich Deine Mails immer weiter. Wir sind also bei Dir.
    Liebe Grüße
    Gabi


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