Mehr als acht Monate meines Dienstes liegen nun hinter mir. Eine lange Zeit, in der ich um viele Erfahrungen reicher geworden bin.
Ich arbeite nach wie vor halbtags in einem Alternative Education Center und die andere Hälfte des Tages im Büro der Education Unit bei Prayas. In den über zwanzig kleinen AECs in Sangam Vihar (dem Viertel im Süden Delhis, in dem ich arbeite) gab es in den letzten Tagen einige Veränderung. Das Ziel dieser Center ist es Kinder Bildung zu ermöglichen, die entweder aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Schule gehen können (wie Arbeit, Migration, sexuelle oder andere Benachteiligungen usw → dropout children) oder aus ebenso vielen Gründen noch nie eine staatliche Schule besuchen konnten( → out of school children). Diese Bildung ist darauf ausgerichtet die Kinder zu „mainstreamen“. Das heißt, sie auf einen gewissen Leistungsstand zu bringen, damit sie in der Lage sind in einer staatlichen (oder entsprechenden Privatschule) unterrichtet zu werden. Dies geschieht innerhalb eines Jahres. Die Kinder bleiben also maximal ein Jahr in den Centern. Danach können sie an verschiedene Schulen in der Umgebung gehen, worin sie durch die Lehrkräfte bei Prayas unterstützt werden, die bereits gute Kontakte zu diesen Schulen pflegen.
Alle Schüler, die im vergangenen Jahr das Center in dem ich zur Zeit arbeite besucht haben, haben nun seit zwei Wochen einen Platz an einer „richtigen“ Schule.
Die Lehrkräfte haben daraufhin zwei Wochen lang Kinder in der Umgebung „rekrutiert“. Sie sind also in die Communities gegangen und haben direkt mit den Familien gesprochen. Dies war nicht immer einfach, da manche Eltern den Wert von Bildung nicht wirklich oder nur zögernd anerkennen wollen. Argumente sind da etwa: „Mein Kind verdient am Tag 50 Rupien für unsere Famile, wenn er in die Schule geht verdient er nichts mehr“. Dass das Kind jedoch ohne Bildung sein Leben lang nicht sonderlich mehr verdienen wird erkennen die Meisten nur nach der Überzeugungsarbeit der Lehrerinnen.
Seit heute kommen also die „neuen Kinder“ in die Center. Offiziell angemeldet sind in „meinem“ Center 320 Kinder. Gekommen sind heute leider aber weitaus weniger. Das wäre immer so, die anderen würden noch in den nächsten Tagen kommen…
In der nächsten Zeit stehen dann außerdem noch kleine Renovierungsarbeiten in den Klassenräumen an. So müssen die Wände neu gestrichen werden, sowie die Dekoration, die aus Lehrmaterialien besteht, überarbeitet und gegebenenfalls erneuert werden.
Was ist noch passiert in den letzten Wochen?
Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit meiner Freundin Samantha. Wir haben gemeinsam unterrichtet und tolle Reisen unternommen. Sie hat mir viele neue Impulse gegeben und mir kreative Unterrichtsmethoden gezeigt. Wir haben zusammen unseren Unterricht vorbereitet und ich konnte sehr von ihren Erfahrungen als Englischlehrerin profitieren.
Wie gesagt haben wir auch einige Reisen unternommen, in denen wir viele interessante Orte in diesem spannenden Land kennenlernen durften.
Außerdem habe ich mit einer kleinen Gruppe von Mädchen aus dem Shelterhome ein kleines dreiminütiges Theaterstück zum Thema Umwelt einstudiert, welches dann im Rahmen eines größeren Events aufgeführt wurde.
Des Weiteren hat Anfang April mein Zwischenseminar stattgefunden. Dieses ist Pflicht im weltwärts-Programm und soll dem Austausch zwischen den Freiwilligen sowie der eigenen Evaluation der bisherigen Zeit dienen und einen Motivationsschub für die restliche Zeit bringen.
Vergangene Woche habe ich ein anderes Projekt von Prayas besichtigt. Hierzu folgt in Kürze ein weiterer Bericht.
Bilder sind weiterhin zu sehen unter: http://www.flickr.com/photos/42475161@N03/ . Weiter geht es unter: http://www.flickr.com/photos/49536217@N02/ . Jeweils auch mit kleinen Beschreibungen unter den Bildern. Viel Spaß beim Betrachten und falls es Fragen gibt stehe ich gern zu Verfügung.
Daniel Hunkel
