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Nun sind schon einige Tage verstrichen seitdem ich wieder in Deutschland bin. Dies ist nun der letzte Beitrag zu meinem Freiwilligendienst in Indien.

Alle Erlebnisse und Stimmungen an dieser Stelle zu schildern würde den Rahmen wohl sprengen. Resümierend kann ich sagen, dass mich das Jahr um einige Erfahrungen reicher gemacht hat.

Die letzten Wochen in Indien waren besonders produktiv. Unterstützt abwechselnd von Kindern, Lehrerinnen und Besuchern habe ich die vier Klassenzimmer in „meinem“ Alternative Education Center renoviert. Da einige Wände in einem schlechten Zustand waren, mussten diese zunächst ausgebessert werden, bevor wir zum Streichen übergehen konnten. Anschließend wurden sie dekoriert mit Bemalungen zu verschiedenen Unterrichtsthemen und zahlreichen Postern und Bildern. Auf zwei Wänden entstanden außerdem sowohl eine große Märchenlandschaft als auch eine bunte Lern- und Spiele-Welt (siehe Bilder). Auch der Eingangsbereich wurde erneuert. Auch gibt es jetzt richtige Mülleimer sowie Wanduhren oder ein Pinboard. Mittlerweile müsste es auch neue Tische und Stühle geben (leider nur für die Lehrerinnen, die Kinder müssen weiterhin auf einer Decke auf dem Fußboden Platz nehmen).

Die finanziellen Mittel für all das stammen aus einem Projektmitteltopf der mir als Freiwilligen zu Verfügung steht.

Ebenfalls mit diesem Budget habe ich einen großen Ausflug mit etwa 70 Kindern aus 9 verschiedenen Centern veranstalten können. Mit Hilfe der Lehrerinnen organisierte ich einen Bus, Verpflegung und was man sonst so für einen Ausflug benötigt. Ziel war zunächst das Eisenbahnmuseum in Delhi. Im Anschluss an eine kurze Führung durch die Ausstellung durften alle mit einem kleinen Zug durch das Areal des Museums fahren. Der strömende Monsunregen tat der Freude der Kinder keinen Abbruch.

Als es dann aufgehört hatte zu regnen steuerten wir das nächste Ziel an. Den „Children’s Park“, ein riesiger Spielplatz in direkter Nähe zum „India Gate“. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, weil die gesamten Spielanlagen unter Wasser standen, doch gerade das schien den Kindern zu gefallen…

Wieder in Deutschland bereite ich mich gerade auf mein Studium vor. Ich plane noch einen Bilder- und Infoabend und eventuell noch eine kleine Bilderausstellung.

Damit ist dieser Blog dann an seinem Ende angelangt. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

Daniel Hunkel

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Gestrandet am Bahnhof

Railway Prayas

Prayas, die NGO in der ich arbeite betreibt viele verschiedene Programme und Projekte, die vor allem Kinder und deren Lebensumfeld zu Gute kommen. Neben dem Hauptfeld, der Bildung für Kinder und Jugendliche (zB in Form der AECs, vocational training classes (Berufsausbildungskurse), oder sonstige Fortbildungsmöglichkeiten), sind das Projekte für Straßenkinder, Jugendliche, die in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind, Waisenhäuser, micro finance Projekte und vieles mehr. Sie sind in vielen Staaten Indiens vertreten und eine der größten indischen Nichtregierungsorganisationen in ihrem Gebiet.

Um mir einen besseren Eindruck der Arbeit der verschiedenen Projekte zu verschaffen habe ich in der vergangenen Woche in einem Projekt gearbeitet, das den Namen „Railway Prayas“ trägt.

mit 5 von zu Hause abgehauen - Manish

mit 5 von zu Hause abgehauen - Manish

Dieses Projekt beschäftigt sich hauptsächlich mit so genannten „Railway Children“, also Kindern, die von ihren Familien, ihren „Besitzern“ oder anderen Umständen abgehauen sind und an den Bahnhöfen Indiens leben.
An den Bahnhöfen Delhis kommen wöchentlich etwa 150 solcher Kinder an (80% davon sind Jungen). An den Bahnhöfen sind die Kinder ein leichtes Opfer für Kriminalität und Missbrauch und finden selbst nur schwer den Weg hieraus. Prayas kann wöchentlich etwa bis zu 15 Jungen helfen(Das Projekt versorgt zur Zeit nur Jungen, es gibt aber auch einige Organisationen, die ausschließlich Mädchen aufnehmen). In Zusammenarbeit mit anderen NGOs und der Polizei kann derzeit etwa hundert Kindern geholfen werden.
Outreach worker von Prayas arbeiten an den drei größten Bahnhöfen in Delhi. Sie suchen nach den Kindern, sprechen mit ihnen und versuchen ihnen zu erklären worin die Vorteile liegen nun mit ihnen zu kommen. Die Überzeugungsarbeit ist nicht immer einfach, verdienen sie doch häufig durch betteln aber auch durch Diebstahl ein wenig Geld für sich.
Sind die Kinder dann identifiziert und bereit sich helfen zu lassen werden sie in ein Büro direkt an der Station gebracht (auch betrieben von Prayas), wo dann einige Daten aufgenommen werden und die Kinder ihre Wünsche äußern können. Prayas richtet sich bei dem weiteren Verfahren nach dem Willen des Kindes.

Das Drop-in Center in der Nähe des "Lahore Gate"

Das Drop-in Center in der Nähe des "Lahore Gate"

Will es etwa wieder zurück zu seiner Familie wird alles getan, damit ihm das ermöglicht wird. Etwa 60% aller identifizierten Kinder können erfolgreich zu ihren Familien gebracht werden. Es gibt aber auch Kinder, die nicht mehr zurück möchten. Denen wird dann ein Platz in einem Shelterhome gesucht. Zuvor jedoch können alle Kinder 24 Stunden in einem der beiden Drop-in Center verbringen, wo sie Essen, Schlafen, Spielen und sich waschen können und unterrichtet werden (Derzeit bieten die beiden Center Platz für bis zu 40 Kinder). Nach den 24 Stunden werden sie offiziell registriert in einer staatlichen Behörde(Child Welfare Committee-CWC). Von dort aus werden ihnen dann zunächst Plätze in Shelterhomes zugeteilt. Auch den Kindern, die wieder zurück nach Hause gebracht werden sollen, da der Prozess die Familien zu finden einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Prayas arbeitet da eng mit der Polizei und anderen Kontakten in den jeweiligen Staaten zusammen.

In der Zeit in der ich da war hatte es gerade eine so genannte Rescue-Aktion mehrerer Organisationen und der Polizei gegeben, bei der viele Kinder gleichzeitig von der Plattform gerettet werden konnten. 8 dieser Kinder kamen in das Drop-in Center, in dem ich hauptsächlich arbeitete. Ich begleitete die Kinder den ganzen Tag. Zunächst half ich der Lehrerin beim unterrichten und beschäftigte mich auch nach dem Unterricht noch ein wenig mit ihnen, bevor zwei der „Caretaker“ und ich mit ihnen zum CWD gefahren sind.

Nacheinander werden die Kinder im CWC registriert

Nacheinander werden die Kinder im CWC registriert

Dort wurden sie zunächst registriert und anschließend in das große „Prayas Shelterhome for Boys“, das sich ganz im Norden der Stadt befindet, eingeteilt. (Es ist nicht immer der Fall, dass die Kinder, die im Drop-in Center von Prayas ankommen auch unbedingt in eines der vier Shelterhomes von Prayas weitergeleitet werden. Es gibt noch viele weitere Organisationen in Delhi, die Waisenhäuser betreiben).

Im Taxi auf dem Weg zur Registrierung haben einige Kinder gesungen, was sie sonst auf der Straße zum Betteln gesungen hatten. Außerdem erzählten manche von ihrem Lebenslauf.

Die Kinder waren im Alter von 10 bis 15. Ein Bruderpaar tat sich besonders hervor.  Der fünfzehnjährige Sultan und sein zehnjähriger Bruder Manish waren vor 5 Jahren von zu Hause abgehauen. Sie seien in der vergangenen Jahren schon in allen wichtigen Touristenplätzen Indiens gewesen. Sie sind unheimlich selbstständig und sehr vorlaut und frech. Ein andrer Junge versucht ununterbrochen mich zu provozieren, indem er sexuelle Zeichen andeutet. Er ist zehn Jahre alt.

Angekommen im Shelterhome

Angekommen im Shelterhome

Railway Prayas besteht aus 18 Mitarbeitern. Darunter zwei Lehrer, fünf Outreach Worker, 2 Köche, einige Caretaker und weitere. Das Projekt wurde 2004 gegründet(zu der Zeit noch in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO). Damals noch mit einem Drop-in Center und nur an einem Bahnhof aktiv. Seit der Gründung konnte etwa 10.000 Kindern geholfen werden.

Neben dem Hauptprojekt gibt Railway Prayas können etwa 25 Kinder täglich in das Drop-in Center in Nabi Karim kommen und dort kostenlose Bildung genießen. Außerdem werden, wieder in Zusammenarbeit mit der Polizei, „Rescue Operations“ in diesem Stadtteil, in dem vor allem Taschen und Koffer hergestellt werden, geplant und durch geführt, bei denen arbeitenden Kindern geholfen wird und die „Arbeitgeber“ bestraft werden.

In Zukunft plant der Projektmanager Varun das Projekt weiter auszubauen. Es sollen noch weitere Projekte in anderen Staaten gegründet werden. Eines gibt es schon im Staat Bihar, dem wohl ärmsten Staat Indiens. Des weiteren läuft zum einen ein Verfahren zur Anerkennung der beiden Drop-in Center als Langzeit-Shelterhomes (damit die Kinder länger als die bisherigen 24 Stunden bleiben können) sowie einer weiteren Outreach Station an einem weiteren Bahnhof in Delhi.

Neues aus Delhi

Mehr als acht Monate meines Dienstes liegen nun hinter mir. Eine lange Zeit, in der ich um viele Erfahrungen reicher geworden bin.

Ich arbeite nach wie vor halbtags in einem Alternative Education Center und die andere Hälfte des Tages im Büro der Education Unit bei Prayas. In den über zwanzig kleinen AECs in Sangam Vihar (dem Viertel im Süden Delhis, in dem ich arbeite) gab es in den letzten Tagen einige Veränderung. Das Ziel dieser Center ist es Kinder Bildung zu ermöglichen, die entweder aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Schule gehen können (wie Arbeit, Migration, sexuelle oder andere Benachteiligungen usw → dropout children) oder aus ebenso vielen Gründen noch nie eine staatliche Schule besuchen konnten( → out of school children). Diese Bildung ist darauf ausgerichtet die Kinder zu „mainstreamen“. Das heißt, sie auf einen gewissen Leistungsstand zu bringen, damit sie in der Lage sind in einer staatlichen (oder entsprechenden Privatschule) unterrichtet zu werden. Dies geschieht innerhalb eines Jahres. Die Kinder bleiben also maximal ein Jahr in den Centern. Danach können sie an verschiedene Schulen in der Umgebung gehen, worin sie durch die Lehrkräfte bei Prayas unterstützt werden, die bereits gute Kontakte zu diesen Schulen pflegen.

Alle Schüler, die im vergangenen Jahr das Center in dem ich zur Zeit arbeite besucht haben, haben nun seit zwei Wochen einen Platz an einer „richtigen“ Schule.

Die Lehrkräfte haben daraufhin zwei Wochen lang Kinder in der Umgebung „rekrutiert“. Sie sind also in die Communities gegangen und haben direkt mit den Familien gesprochen. Dies war nicht immer einfach, da manche Eltern den Wert von Bildung nicht wirklich oder nur zögernd anerkennen wollen. Argumente sind da etwa: „Mein Kind verdient am Tag 50 Rupien für unsere Famile, wenn er in die Schule geht verdient er nichts mehr“. Dass das Kind jedoch ohne Bildung sein Leben lang nicht sonderlich mehr verdienen wird erkennen die Meisten nur nach der Überzeugungsarbeit der Lehrerinnen.

Seit heute kommen also die „neuen Kinder“ in die Center. Offiziell angemeldet sind in „meinem“ Center 320 Kinder. Gekommen sind heute leider aber weitaus weniger. Das wäre immer so, die anderen würden noch in den nächsten Tagen kommen…

In der nächsten Zeit stehen dann außerdem noch kleine Renovierungsarbeiten in den Klassenräumen an. So müssen die Wände neu gestrichen werden, sowie die Dekoration, die aus Lehrmaterialien besteht, überarbeitet und gegebenenfalls erneuert werden.

Was ist noch passiert in den letzten Wochen?

Ich hatte eine wunderschöne Zeit mit meiner Freundin Samantha. Wir haben gemeinsam unterrichtet und tolle Reisen unternommen. Sie hat mir viele neue Impulse gegeben und mir kreative Unterrichtsmethoden gezeigt. Wir haben zusammen unseren Unterricht vorbereitet und ich konnte sehr von ihren Erfahrungen als Englischlehrerin profitieren.

Wie gesagt haben wir auch einige Reisen unternommen, in denen wir viele interessante Orte in diesem spannenden Land kennenlernen durften.

Außerdem habe ich mit einer kleinen Gruppe von Mädchen aus dem Shelterhome ein kleines dreiminütiges Theaterstück zum Thema Umwelt einstudiert, welches dann im Rahmen eines größeren Events aufgeführt wurde.

Des Weiteren hat Anfang April mein Zwischenseminar stattgefunden. Dieses ist Pflicht im weltwärts-Programm und soll dem Austausch zwischen den Freiwilligen sowie der eigenen Evaluation der bisherigen Zeit dienen und einen Motivationsschub für die restliche Zeit bringen.

Vergangene Woche habe ich ein anderes Projekt von Prayas besichtigt. Hierzu folgt in Kürze ein weiterer Bericht.

Bilder sind weiterhin zu sehen unter: http://www.flickr.com/photos/42475161@N03/ . Weiter geht es unter: http://www.flickr.com/photos/49536217@N02/ . Jeweils auch mit kleinen Beschreibungen unter den Bildern. Viel Spaß beim Betrachten und falls es Fragen gibt stehe ich gern zu Verfügung.

Daniel Hunkel

Halbzeit

Lang lang ists her, seitdem an dieser Stelle etwas geschrieben wurde. Mittlerweile bin ich seit mehr als sechs Monaten hier in Indien und leiste meinen Freiwilligendienst bei der indischen NGO „Prayas“.
Seit dem letzten Eintrag ist einiges passiert. So bewohne ich schon mehr als drei Monate die im letzten Beitrag angekündigte Wohnung. Unterwegs bin ich hauptsächlich auf meinem Atlas Goldstar (mein Fahrrad), mit dem das vorankommen im chaotischen Verkehr Delhis weitaus angenehmer und schneller ist als mit Bussen, Rikschas und ähnlichen Vehikeln.

Die Arbeit läuft sehr gut. Nach fast einem halben Jahr habe ich meinem ersten Alternative Education Center lebe wohl gesagt und arbeite zur Zeit in einem Center, welches aus vier einzelnen Klassenräumen besteht, in denen in zwei Schichten unterrichtet wird. Der allgeine Standard in diesem Center ist wesentlich höher als im vorherigen Center. Es gibt funktionierendes Licht, gepflegte solide Wände und Böden und auch zwei kleine Bäder.

Sonnenuntergang in den Dünen

Sonnenuntergang in den Dünen

Jetzt gerade bin ich allerdings nicht der einzige deutsche Freiwillige, der in diesem Center unterrichtet. Seit Mitte Februar ist meine Freundin, Sam, hier und wir arbeiten gemeinsam bei Prayas, unternehmen Ausflüge und Reisen und genießen es endlich wieder Zeit füreinander zu haben, die wir so lange nicht hatten. So haben wir gemeinsam Delhi erkundet und tolle kleine Reisen geplant. Bisher waren wir schon auf einer kleinen Wüstentour durch Rajasthan. Zunächst Jaisalmer, die goldene Stadt mitten in der Thar Wüste, die so viel sauberer (sieht man einmal von dem vielen Staub ab), ruhiger und angenehmer ist als Delhi. Von hier aus machten wir auch eine Safari in die Wüste, die aus einer Jeep-Tour durch verschiedene Dörfer und einem beeindruckenden Kamelritt bestand. Noch beeindruckender ging es dann weiter. Als die Sonne langsam unterging stiegen wir von unseren Tieren und während wir die Aussicht von einer großen Sanddüne bestaunten wurde unten leckeres Essen zubereitet. Bei sternklarem Himmel in wunderbar romantischer Atmosphäre dinierten wir, bevor wir nach einer musikalischen Einlage per Jeep zurück in das guesthouse gefahren wurden. Dieses Abenteuer hat Lust auf mehr gemacht, weshalb wir gleich nach unserer Rückkehr eine Kamelsafari in Bikaner gebucht haben, die insgesammt vier Tage dauern soll. Wir sind gespannt.
Von Jaisalmer fuhren wir dann in die blaue Stadt Jodhpur, wo wir noch einmal zwei Tage verbrachten. An einem dieser beiden tage fand das berühte Farbenfest „Holi“ statt. Um ehrlich zu sein war ich aber nicht wirklich begeistert von diesem Fest. So nutzten wir dann den zweiten Tag um uns die Stadt und das faszinierende Fort anzuschauen.
Wieder in Delhi wurde dann im schnelldurchlauf Wäsche gewaschen, bevor drei Tage später weiter ging nach Amritsar, in die heilige Stadt der Sikhs mit höhepunkten wie dem berühmten goldenen Tempel oder der Wachablösung an der Grenze zu Pakistan. Gerade von hier zurückgekehrt warten nun noch Trips in die Nationalparks „Keoladeo“ und „Ranthambore“, die romantische Stadt „Udaipur“, „the pink city – Jaipur“ und wie schon erwähnt Bikaner.

Was ist sonst noch seit dem letzten Bericht passiert?

Neben Weihnachten (siehe Bilder bei flickr) und Neujahr gab es noch den „republic day“ zu feiern. Jeweils organisierte ich eine kleine Feier für die Kinder in meinem Center. Mit Musik, Tanz und kleinen Knabbereien waren wie Kinder immer leicht zufrieden zu stellen und hatten großen Spaß. Des weiteren gab es vor kurzem hohen Besuch bei Prayas, als der amerikanische Botschafter, ein berühmter Filmstar und weitere wichtige Menschen zusammenkamen im „headquarter“ von Prayas.

Traditionelle Tänze in Udaipur

Traditionelle Tänze in Udaipur

Da mein Bilderlimit auf flickr nun ausgeschöpft ist habe ich mir eine zweite Seite zugelegt, auf der die Bilder der zweiten Hälfte meines Aufenthalts zu sehen sein werden. Die Adresse lautet: http://www.flickr.com/photos/49536217@N02/ (die „alten“ Bilder sind weiterhin zu sehen unter: http://www.flickr.com/photos/42475161@N03/

Noch ein paar Monate liegen vor mir. Arbeitstechnisch habe ich einige Pläne. Mal sehen, was davon umsetzbar ist.
So viel für dieses Mal.

Kurzer Zwischenbericht

Nachdem ich nun bald drei Monate meines Dienstes hinter mir liegen und der letzte Bericht schon ein paar Tage zurückliegt werde ich an dieser Stelle einen kurzen Zwischenbericht schreiben.
Die Arbeit läuft soweit ganz gut. Vor Allem die im Center ist sehr spannend. Es ist bisweilen zwar häufig sehr chaotisch und die Kinder sind oftmals schwer in den Griff zu kriegen, aber es gibt doch den ein oder anderen erfolgreichen Moment, in denen ich die Motivation der Kinder sehen kann. Das Lerntempo ist ein ganz anderes als ich es gewöhnt bin und es sind auch zahlreiche Wiederholungen von Nöten. Alles in Allem habe ich aber das Gefühl, dass die Kinder doch wenigstens ein bisschen weiter kommen.


Die meisten von ihnen hätten ohne die „alternative education center“ von Prayas nie die Chance gehabt eine Schule zu besuchen. Andere waren schon an staatlichen Schulen gewesen, konnten dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht weiter tun. Mit einer Klassenstärke von ca. 50 – 80 Kindern sind die staatlichen Schulen auch maßlos überbesetzt. Prayas versucht mit den über hundert Centern in Delhi eine Alternative Schulbildung zu schaffen, mit geringerer Klassenstärke (maximal 40, meistens aber so 20-35) und einer viel individuelleren, auf den einzelnen Schüler ausgerichteten und seinen Möglichkeiten angepassten Unterrichtsformen. Ziel davon ist es aber trotzdem die Kinder auf ein vergleichbares Niveau zu bringen („mainstreaming“) und ihnen außerdem Fähigkeiten für ihr späteres Leben zu vermitteln.
Bisher habe ich im guesthouse des Hauptgebäudes gewohnt, in dem auch ein Heim für Mädchen untergebracht ist. Insgesammt gibt es in Delhi vier solche „shelterhomes“. Zwei sind speziell für Mädchen, eines nur für Jungs und das vierte für Kinder und Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. In dem Heim hier leben 57 Mädchen etwa im Alter von 6-17.

In den nächsten Tagen werde ich mit meinem Mitfreiwilligen Timo in eine eigene Wohnung ziehen. Im Moment herrscht noch großer Umzugsstress. Möbel und sonstige Gebrauchsgegenstände müssen gekauft werden, Verträge ausgehandelt und unterschrieben werden und vorher musste eben auch eine Wohnung gefunden werden. Dank eines sehr netten Kollegen, der wirklich viel für Timo und mich getan hat ist die passende Wohnung nun gefunden. Sehr geräumig und in recht angenehmer Lage.

Was ist noch passiert seit dem letzten Bericht? Da wäre zum einen das Diwali Fest, „festival of lights“, das im Hinduistischen Glauben etwa den Stellenwert wie Weihnachten für die Christen einnimmt. * Ich war zusammen mit anderen Freiwilligen in einer jungen Familie eingeladen, wo es leckeres Essen gab. Man hätte meinen können es herrsche Krieg. Draußen wurde die Tage um Diwali „geböllert ohne Ende“ Und zwar nicht die harmlosen Kracher, wie es sie bei uns gibt… Mir ist zwischenzeitlich öfters mal nach einer Detonaion(!) einer solchen Bombe das Herz in die Hose gerutscht… „Gefeiert“ wurde auch morgens im Center, mit religiöser Zeremonie und auch hier im shelterhome mit Band, DJ und sehr hohen Gästen. Ein Minister kam und lud im Anschluss an die musikalische Untermalung zum Essen ein.

Dann gab es noch einen Ausflug mit etwa 120 Kindern von Prayas zu einen großen Malwettbewerb, bei der allerdings leider keines der Kinder einen Preis gewinnen konnte. Schön war es für sie trotzdem.
Einen Malwettbewerb hat es auch hier im shelterhome gegeben, organisiert von einem großen Sponsor, außerdem noch einige andere kleinere Feste wie etwa eine Feier zum Jahrestag der Gründung oder einfach nur um das gute Verhältnis zu einem Sponsor zu zeigen…

Des weiteren habe ich über ein langes Wochenende einen Trip nach Varanasi, die heilige Stadt am Ganges unternommen. Ich reiste im Zug mit anderen Freiwilligen. Die Stadt ist wirklich sehr spanend und man wird für die lange Zugfahrt von über 13 Stunden mit den vielen Sadhus, Pilgern, Ghats (auch die burningghats, in denen die Toten vor vielen Augen verbrannt werden) und einer wirklich sehr interessanten Stadt entlohnt. Teil dieses Ausfluges war auch ein Abstecher nach Sarnath, ein wichtiger Pilgerort für Buddhisten.

Auch in Delhi habe ich jetzt schon einiges gesehen. Etwa das Gelände um „Qutab Minar“, Old Delhi mit Jama Masjid, Red Fort, Gewürzmarkt und so weiter und natürlich das tägliche Chaos auf den Straßen dieser Megapolis.

Seit etwa drei Wochen ist außerdem noch ein neuer deutscher Freiwilliger zu Prayas gekommen, der zu Zeit mit Timo zusammen ein Center besucht. So bin ich nun auch seit zwei Wochen als einziger Freiwilliger in meinem Center.

Das wärs dann für den Moment. Auf meiner Flickr Seite stehen nun schon seit etwa einer Woche zahlreiche neue Bilder von Varanasi, Old Delhi, Qutab Minar und einigen anderen Dingen. Viel Spaß beim anschauen.

Old Delhi
Varanasi
Diwali
Qutab Minar
verschiedenes

„The Taj“

Da sich durch einen Feiertag am Montag für uns ein langes Wochenende ergeben hat, haben wir die Möglichkeit ergriffen nach fast einem Monat Delhi zu entfliehen. Das Zeil war relativ schnell gefunden tatkräftig von unseren Vorgesetzten bei Prayas unterstützt war schnell alles gebucht und wir konnten uns Samstagmorgen per Zug auf den Weg nach Agra begeben.

Leider waren die reservierten Sitzplätze in dem maßlos überfüllten Zug nicht zu finden (die Platznummern gingen in unserem Abteil von 1-90, wir hätten die Nummern ab 91 aufwärts gehabt…)

Nichtsdestotrotz sind wir nach gerade mal drei Stunden Zugfahrt, die (hin und zurück) etwa 2€ gekostet hat, in Agra angekommen. Geblieben sind wir drei Tage. Die Stadt + Umgebung bietet zahlreiche tolle Ausflugsziele, wie das Mausoleum in Sikandra das von einem riesigen Garten mit Antilopen und anderen exotischen Tieren und Pflanzen umgeben ist, das riesige Agra Fort, das Baby Taj und natürlich das weltbekannte Taj Mahal, ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Zu den Besichtigungen lasse auf meinem „Fotostream“ Bilder sprechen, der Link dazu steht am Ende dieses Eintrags.

Agra selbst ist einigermaßen anstrengend. Sehr auf Touristen ausgelegt, was dazu führt, dass jeder einen über den Tisch ziehen und ausnehmen will. Auch die Zahl der bettelnden Kinder schien im Verhältnis zu Delhi höher. Die Zahl der Affen auf den Straßen bzw. vor allem auf den Dächern und Dachterrassen erschien mir auch wesentlich höher. Außerdem ist der Strom hier noch mal deutlich unzuverlässiger…

So viel zu dem kurzen Ausflug in die Stadt des Taj. Hier in Delhi hab ich mich so langsam eingearbeitet. Montag bis Samstag von zehn bis halb eins unterrichte ich Kinder in Englisch und Mathematik (und mittlerweile kann ich schon den ein oder anderen Hinditext korrigieren, die 4x die Woche stattfindende „Hindilesson“ trägt ihre ersten Früchte).

Nachmittags schreibe ich jetzt Reports und bereite weiterhin Unterricht vor.

Das wärs dann für den Moment. Weitere Berichte folgen in den nächsten Wochen.

Die Bilder des Trips nach Agra sind zu finden unter:
http://www.flickr.com/photos/42475161@N03/sets/72157622445099922/

Namaste

Nachdem ich nun fast zwei Wochen in Indien verbracht habe komme ich endlich dazu mich meinem ersten richtigen Beitrag auf diesem Blog zu widmen.

Nach einem Recht angenehmen Flug bin ich gegen halb Zehn (indischer Zeit) am Flughafen in Delhi angekommen. Das Klima war im ersten Moment ein Schock. Obwohl es bis wir den Flughafen verlassen konnten eigentlich schon „Nacht“ war, herrschten noch über 30°C. Dazu eine Luftfeuchtigkeit, wie man sie aus dem Tropenhaus kennt. Vom Flughafen wurde ich dann, zusammen mit zwei anderen Freiwilligen, die wie ich ihren Dienst bei „Prayas“ ableisten., in einem Auto der Gandhi Peace Foundation abgeholt. Der Verkehr war gleich der nächste Schock. Fahrbahnmarkierungen scheinen nur Dekoration zu sein und auf einer (eigentlich) zweispurigen Straße fahren mindestens drei Autos + Motorräder nebeneinander. Außerdem ersetzt die Hupe die oft fehlenden oder eingeklappten Seitenspiegeln, was bedeutet, dass man alle paar Sekunden ein Hupen hört.
Diese Schocks haben wir aber mittlerweile gut überstanden und sind schon einigermaßen an das Klima sowie an den Verkehr gewöhnt. Es wirkte bloß im ersten Moment alles sehr Extrem.

Die ersten drei Nächte verbrachten wir im Hostel der oben erwähnten GPF. Ich teilte mir das Zimmer mit Timo, der einen Tag später zu uns gestoßen ist und ebenfalls bei Prayas seinen Freiwilligendienst leistet.

Seit dem 1.September wohnen wir vier nun im Hauptquartier unserer Organisation Prayas. Genauer gesagt leben wir in den beiden Gästezimmern. Ich teile wieder mit Timo ein nettes Zimmer mit Bad und das andere Zimmer wird geteilt von unseren Mitfreiwilligen Christine du Milena.
Hier werden wir die ersten zwei Monate verbringen, Danach werden wir höchstwahrscheinlich in eine WG mit weiteren Freiwilligen ziehen.

Die erste Arbeitswoche haben wir damit verbracht zum Einen den Prozess der „registration“ bei den indischen Behörden hinter uns zu bringen und zum Anderen um Prayas besser kennen zu lernen. Prayas ist eine große, in Indien aktive NGO (Nichtregierungsorganisation) mit dem Ziel benachteiligte Kinder zu unterstützen und ihnen so eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Meine Arbeit liegt im Bereich Bildung. Prayas bietet sozial benachteiligten Kindern so genannte „Alternative Education“. Diese Arte der Erziehung ist wesentlich individueller auf die einzelnen Kinder ausgerichtet als der staatliche Schulunterricht, an dem die meisten der Kinder noch nie teilgenommen haben. AE soll helfen den Kindern die Möglichkeit zu geben Bildung zu erfahren, die sie sonst nicht bekommen hätten. Sie werden vorbereitet in staatliche Lehranstalten zu gehen oder erhalten auf ihr späteres Berufsleben ausgerichtetes Training.

Ich arbeite jetzt in einem kleinen Alternative Education Center in einem so genannten Slum. Dieses Center besteht aus einem Raum, in dem bis zu 30 Kinder unterrichtet werden. Die Kinder sind im Alter von 6 bis 14 und darum auf verschiedenen Leistungsniveaus. Der Unterricht läuft so ab, dass relativ wenig Frontalunterricht an der Tafel gemacht wird und dafür sehr viel auf die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler eingegangen wird und entsprechende Aufgaben verteilt werden. Während also in der einen Ecke des Raumes ein Kind gerade die Buchstaben A, B und C lernt können andere Kinder schon englische Texte vorlesen.

Meine Aufgabe ist es nun den einzelnen Schülern Aufgaben zu verteilen, die ihrem Leistungsniveau entsprechen und ihnen zu helfen, wenn Sie Probleme mit den Aufgaben haben.

Dies ist also meine Aufgabe am Vormittag. Mittags gehe ich wieder zurück zum Hauptquartier, wo wir alle ein Mittagessen bekommen. Anschließend nutzen wir die Zeit um Unterricht vorzubereiten und uns weiter über verschiedene Projekte und Arbeitsbereiche von Prayas zu informieren.

Am Abend besuchen wir seit dieser Woche zusammen mit zwei anderen Freiwilligen einen Hindikurs. Die Lehrerin ist sehr nett und sie kümmert sich liebevoll um uns.

Sonntag ist unser freier Tag. Wir nutzen bisher die Zeit uns die vielen Sehenswürdigkeiten dieser riesigen Stadt anzuschauen.

Bilder gibts auf: http://www.flickr.com/photos/42475161@N03/

Daniel geht weltwärts

Nachdem ich nun diese Woche offiziell aus der Schule verabschiedet worden bin kann ich mich voll und ganz der Vorbereitung auf das kommende Jahr hingeben. Dieses Jahr werde ich im Rahmen eines „Anderen Dienst[es] im Ausland“ (ADiA) in Indien verbringen. Genauer gesagt werde ich als Freiwilliger nach Delhi kommen und in der indischen NGO „Prayas“ arbeiten. Zur Verfügung gestellt wird dieser ADiAPlatz von VIA e.V..

Prayas kümmert sich hauptsächlich um sozial benachteiligte Kinder (zB durch Kinderarbeit, sexuelle und sonstige Gewalt Verschleppung usw.). So laufen zahlreiche Programme zur Verbesserung der Situation der Kinder wie z.B. Heime, Gesundheitsprogramme, Schul- und Berufsausbildung und viele weitere. Weitere Informationen kann man auf der Homepage: http://www.prayasonline.org/ (englisch) finden. Außerdem gibt es eine kurze Zusammenfassung über die Organisation auf deutsch unter http://www.terranetwork.org/90.html. Meine Aufgabe wird es sein Kinder in Englisch und vielleicht auch in anderen Fächern zu unterrichten. Außerdem werde ich wahrscheinlich noch zusätzlich Research-Arbeit und ähnliche Dinge für die Organisation leisten.

Zum dem Entschluss ein Jahr als Freiwilliger zu verbringen kam ich durch die vielen Schüleraustausche an denen ich im Laufe meiner Schulzeit an der Oswald-von-Nell-Breuning Schule (http://www.nellbreuningschule.de) teilnehmen durfte (mehr als ein Dutzend). 2007 nahm ich an der Reise nach Nicaragua teil. Dort wohnte ich etwa 3 Wochen in einer Gastfamilie und teilte mir ein Zimmer mit einem jungen Freiwilligen, der sein Jahr noch vor sich hatte. Außerdem lernte ich noch viele andere Freiwillige dort kennen. Ebenfalls 2007 wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das weltwärts-Programm (http://www.weltwaerts.de) zur finanziellen Unterstützung eines solchen Dienstes gestartet. Auch mein Dienst wird über die Finanzierung durch das weltwärts-Programm möglich gemacht.
Im Winter letzten Jahres habe ich mich bei zahlreichen Organisationen um eine Stelle als Freiwilliger in einem so genannten „Entwicklungsland“ beworben. Da ich in der Schule keinen Spanischkurs belegt hatte wurde ich jedoch von allen für Länder in Lateinamerika abgelehnt. Nach einiger Zeit bekam ich dann eine Zusage von VIA e.V. (http://www.via-ev.org/). Bei ca. 300 Freiwilligenplätzen, die VIA bereitstellt, gibt es zehnmal so viele Bewerber.

Im Moment versuche ich mich mit Hilfe umfangreicher Literatur (vielen Dank an Robert Weyhofen) und zahlreicher anderer Medien bestmöglich auf meinen Dienst vorzubereiten. Auch die jetzigen Freiwilligen haben mir schon sehr viel berichtet und unzählige Fragen beantwortet (auch euch ein herzliches Dankeschön). Im Juli werde ich ein 12-Tägiges Vorbereitungsseminar besuchen um noch genauer auf meinen Einsatz vorbereitet zu sein.

Mein Einsatz beginnt voraussichtlich im August diesen Jahres.

Ein Teil meiner Vorbereitungen ist das erlernen der in Delhi mit am häufigsten gesprochene Sprache: Hindi. Noch stehe ich ganz am Anfang und versuche mir die einzelnen Zeichen einzuprägen. Ich hoffe bis zu meiner Abreise wenigstens eine ganz kleine Grundlage erhalten zu haben.

Zur Finanzierung bei weltwärts. Ist ein Freiwilligenplatz als weltwärts-Platz anerkannt trägt das BMZ 75% der Kosten, die dem Freiwilligen anfallen (Transport, Unterkunft, Versicherung, Taschengeld usw.) Die restlichen 25% übernimmt die Versendeorganisation (bei mir also VIA e.V.). Da sich die meisten dieser Organisationen aus Spendengeldern finanzieren ist es für den Freiwilligen nötig einen Spenderkreis aufzubauen. Das heißt, dass ich versuchen soll, möglichst viele Spender zu finden und so monatlich bis zu 150€ an Spendengelder zu sammeln. Ohne diese Spenden könnten die Organisationen den Freiwilligendienst nicht finanzieren. Aus diesem Grund bin ich auf der Suche nach Menschen, Organisationen oder Firmen, die mich bei meinem Dienst unterstützen wollen. Bei Interesse stehe ich unter daniel.weltwaerts@googlemail.com bereit.

Soweit eine ganz kleine Einführung. An dieser Stelle werden im laufe des nächsten Jahres regelmäßig Berichte über meine Arbeit und mein Leben in Indien zu finden sein.

Daniel